Es kann vorkommen, dass die Schilddrüse nicht genügend Schilddrüsenhormone produziert. Man spricht dann von einer Schilddrüsenunterfunktion oder Hypothyreose. Dafür gibt es unterschiedliche Ursachen. Dazu gehören beispielsweise:
- eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse,
- Entzündungen oder Schädigungen des Schilddrüsengewebes,
- eine Operation oder Radiojodbehandlung der Schilddrüse,
- bestimmte Medikamente,
- eine Störung der übergeordneten Steuerung durch Hypophyse oder Hypothalamus,
- eine unzureichende Versorgung mit Stoffen, die für die Hormonproduktion benötigt werden, insbesondere Jod, Eisen und Selen
- selten angeborene Störungen,
- oder die Ursache bleibt unklar.
Ist die Schilddrüse dauerhaft nicht in der Lage, ausreichend Hormone herzustellen, können diese von außen ersetzt werden.
Welche Schilddrüsenhormone gibt es als Medikament?
Die Schilddrüse bildet vor allem T4 und in geringerer Menge T3. Auch bei der Behandlung stehen beide Hormone zur Verfügung. Welche Form eingesetzt wird, hängt von der jeweiligen Situation ab.
- T4 – Levothyroxin: Am häufigsten wird T4 eingesetzt, beispielsweise als L-Thyroxin Henning® oder Euthyrox®. T4 bleibt relativ lange im Körper und sorgt deshalb für gleichmäßige Hormonspiegel. Der Körper kann daraus nach Bedarf das stärker wirksame T3 herstellen.
- T4 und T3 kombiniert: Präparate wie Novothyral® enthalten beide Hormone. Damit wird neben T4 bereits ein bestimmter Anteil des biologisch stärker wirksamen T3 zugeführt.
- T3 – Liothyronin: Mit Thybon® steht auch reines T3 zur Verfügung. T3 wirkt schneller als T4 und bleibt deutlich kürzer im Körper. Dadurch entstehen nach der Einnahme stärkere Anstiege und Abfälle des T3-Spiegels. Das macht die Einstellung weniger gleichmäßig als mit T4.
Was passiert mit dem Regelkreis?
Auch Schilddrüsenhormon aus einer Tablette wird vom Körper registriert. Sind ausreichend Schilddrüsenhormone vorhanden, reduziert die Hypophyse die Bildung von TSH. Damit bekommt die Schilddrüse weniger Aufforderung, selbst Hormone herzustellen. Das ist die normale Rückkopplung des hormonellen Regelkreises. Je mehr Schilddrüsenhormon von außen zur Verfügung gestellt wird, desto weniger muss die eigene Schilddrüse produzieren.
Warum wird TSH regelmäßig kontrolliert?
Gerade deshalb ist TSH für die Kontrolle einer Schilddrüsenmedikation so hilfreich. Bei einer normalen Funktion von Hypophyse und Hypothalamus zeigt TSH, wie der übergeordnete Regelkreis die derzeitige Schilddrüsenhormonversorgung bewertet:
- Zu wenig Schilddrüsenhormon → TSH steigt.
- Ausreichend Schilddrüsenhormon → TSH befindet sich im passenden Bereich.
- Zu viel Schilddrüsenhormon → TSH sinkt.
Deshalb werden unter einer Schilddrüsenmedikation regelmäßig die Laborwerte kontrolliert. Bei T3-haltigen Präparaten muss zusätzlich berücksichtigt werden, dass der T3-Spiegel nach der Einnahme stärker schwankt. Zeitpunkt der Einnahme und Zeitpunkt der Blutabnahme werden dadurch besonders wichtig.
Auch die Einnahme spielt eine Rolle
Schilddrüsenhormone aus einer Tablette müssen zunächst im Darm aufgenommen werden. Nahrung und beispielsweise Eisen- oder Calciumpräparate können diese Aufnahme vermindern. Deshalb sollte das Medikament möglichst regelmäßig unter vergleichbaren Bedingungen und mit entsprechendem Abstand zu solchen Präparaten eingenommen werden.
Muss eine Schilddrüsenmedikation immer lebenslang eingenommen werden?
Das hängt von der Ursache der Unterfunktion ab:
- Fehlt funktionsfähiges Schilddrüsengewebe dauerhaft, muss das fehlende Hormon entsprechend dauerhaft ersetzt werden.
- Ist die Ursache dagegen möglicherweise beeinflussbar, kann eine andere Frage entstehen:
Kann die Schilddrüse wieder ausreichend Hormon selbst herstellen, wenn die Voraussetzungen dafür verbessert wurden?
Dazu gehört auch, ob ausreichend Jod, Eisen, Selen und Eiweiß zur Verfügung stehen, also genau die Stoffe, die wir im ersten Beitrag für Herstellung und Aktivierung der Schilddrüsenhormone kennengelernt haben.
Ob eine bestehende Schilddrüsenmedikation anschließend verändert werden kann, muss mit dem behandelnden Arzt anhand der Ursache und der Laborwerte entschieden werden.
Denn die Tablette ersetzt fehlendes Hormon. Die entscheidende Frage bleibt aber, warum es ursprünglich gefehlt hat.