Warum Schmerz nicht gleich Schmerz ist und warum diese Unterscheidung wichtig ist

Teil 1 der „Schmerz-Blog-Serie“

 

Schmerz gehört zu den häufigsten Gründen, warum Menschen medizinische Hilfe suchen. Und doch ist Schmerz kein einheitliches Phänomen. Zwei Menschen können über „Schmerzen“ sprechen und dabei völlig Unterschiedliches meinen.

Genau hier beginnt oft das Missverständnis:
Schmerz wird als ein einzelnes Symptom betrachtet, obwohl er in Wirklichkeit sehr unterschiedliche Ursachen und Mechanismen haben kann.

 

Schmerz ist ein Signal, aber kein eindeutiges

Grundsätzlich ist Schmerz ein Warnsignal des Körpers. Er soll aufmerksam machen, schützen und zur Veränderung anregen. Doch dieses Signal kann auf ganz unterschiedliche Weise entstehen:

  • durch eine akute Verletzung
  • durch eine Entzündung
  • durch eine Schädigung von Nerven
  • oder durch eine veränderte Schmerzverarbeitung im Nervensystem selbst

 

Von außen und oft auch für Betroffene fühlt sich all das einfach nur nach „Schmerz“ an. Für das Verständnis und die weitere Einordnung macht es jedoch einen großen Unterschied, welche Art von Schmerz vorliegt.

 

Warum die Unterscheidung so wichtig ist

Viele Menschen erleben, dass Therapien nicht wirken, obwohl sie konsequent umgesetzt werden. Das kann frustrierend und verunsichernd sein. Häufig liegt der Grund nicht darin, dass „nichts hilft“, sondern darin, dass der Schmerzmechanismus nicht passend eingeordnet wurde.

Ein Beispiel:

  • Entzündlicher Schmerz folgt anderen Regeln als
  • Nervenschmerz oder
  • chronische Schmerzsyndrome, bei denen keine klare Gewebeschädigung mehr nachweisbar ist.

 

Wird all das gleich behandelt, bleiben Erfolge oft aus.

 

Verschiedene Schmerzarten – ein kurzer Überblick

In der Medizin und auch in der Naturheilkunde unterscheidet man u.a.:

  • entzündlichen Schmerz, z. B. bei akuten oder chronischen Entzündungen
  • neuropathischen Schmerz, wenn der Nerv selbst geschädigt oder gereizt ist
  • chronische Schmerzsyndrome bei denen das Schmerzsystem überempfindlich geworden ist, auch wenn sich keine eindeutige Ursache mehr finden lässt

 

Diese Einteilung ist keine Schublade, sondern eine Orientierungshilfe. Sie hilft zu verstehen, warum Schmerzen so unterschiedlich erlebt werden und warum sie unterschiedlich behandelt werden müssen.

 

„Man findet nichts“ und trotzdem ist der Schmerz real

Gerade bei chronischen Schmerzen hören Betroffene häufig Sätze wie:

  • „Da ist nichts zu sehen.“
  • „Die Befunde sind unauffällig.“

 

Das bedeutet jedoch nicht, dass der Schmerz eingebildet ist. Es bedeutet lediglich, dass die Ursache nicht (mehr) auf der Ebene von Knochen, Muskeln oder Entzündungswerten liegt, sondern oft in der Verarbeitung von Schmerz im Nervensystem. Auch das ist real. Und erklärbar.

 

Verstehen als erster Schritt

Dieser Blog soll keine Therapie ersetzen und keine schnellen Lösungen versprechen.
Er soll dabei helfen, Schmerz differenzierter zu betrachten. In den folgenden Beiträgen werden die einzelnen Schmerzarten genauer beleuchtet:

  • entzündlicher Schmerz
  • Nervenschmerz
  • chronische Schmerzsyndrome
  • sowie der Einfluss von Psyche, Schlaf und Stress auf das Schmerzerleben

 

Denn oft ist der wichtigste erste Schritt nicht das „Tun“, sondern das Verstehen.