Zyklusbeobachtungen oder Speicheltest – was zeigt welche Methode?

Wenn sich der Zyklus verändert oder Beschwerden neu auftreten, stellt sich oft die Frage: Was passiert hormonell eigentlich gerade?

Dafür gibt es unterschiedliche Möglichkeiten der Beobachtung und Untersuchung. Zwei davon sind besonders interessant:

  • die Basaltemperaturmessung
  • und ein Speicheltest auf Hormone

Beide können sinnvoll sein. Sie beantworten aber unterschiedliche Fragen.

  

Was zeigt die Basaltemperatur?

Progesteron erhöht nach dem Eisprung die Körpertemperatur leicht. Diesen Effekt kann man nutzen. Wird die Temperatur jeden Morgen direkt nach dem Aufwachen und noch vor dem Aufstehen gemessen, entsteht im Laufe des Zyklus eine Kurve.

Ein normaler ovulatorischer Zyklus zeigt typischerweise zwei Phasen:

  • vor dem Eisprung eine niedrigere Temperatur,
  • nach dem Eisprung eine um einige Zehntel Grad höhere Temperatur.

Die Temperaturmessung zeigt damit nicht direkt, wie viel Progesteron im Körper vorhanden ist. Sie zeigt vielmehr die Wirkung des Progesterons im Verlauf eines ganzen Zyklus. Das macht sie besonders wertvoll.

  

Was kann man aus einer Temperaturkurve erkennen?

Eine Temperaturkurve kann Hinweise darauf geben,

  • ob wahrscheinlich ein Eisprung stattgefunden hat,
  • wann ungefähr der Wechsel in die zweite Zyklushälfte erfolgt ist,
  • wie schnell die Temperatur nach dem Eisprung ansteigt,
  • wie stabil die Hochlage ist,
  • und wann die Temperatur vor der nächsten Menstruation wieder abfällt.

Ein deutlicher und anhaltender Temperaturanstieg spricht für eine Ovulation mit anschließender Progesteronbildung.

Steigt die Temperatur nur langsam oder stufenweise an, kann das auf eine schwächere Gelbkörperfunktion hinweisen.

Fällt die Temperatur bereits mehrere Tage vor der Menstruation wieder ab, kann die Progesteronwirkung früher nachlassen. Das kann beispielsweise zu prämenstruellen Beschwerden passen.

Fehlt eine erkennbare Hochlage vollständig, kann ein Zyklus ohne Eisprung vorliegen.

Die Temperaturkurve liefert also keine fertige Diagnose. Aber sie erzählt eine physiologische Geschichte über den Zyklus.

 

Wann kann eine Zyklusbeobachtung sinnvoll sein?

Eine Zyklusbeobachtung kann beispielsweise interessant sein bei:

  • neu auftretendem PMS,
  • stärkeren oder schmerzhafteren Blutungen,
  • unregelmäßigen Zyklen,
  • Beschwerden in der zweiten Zyklushälfte,
  • Kinderwunsch,
  • Verdacht auf ausbleibende Eisprünge,
  • oder Veränderungen des Zyklus ab etwa dem 40. Lebensjahr.

Sie kann aber auch einfach dabei helfen, den eigenen Zyklus besser kennenzulernen.

 

Wie wird richtig gemessen?

Die Basaltemperatur wird morgens direkt nach dem Aufwachen gemessen.

Wichtig ist:

  • vor dem Aufstehen messen,
  • möglichst immer ungefähr zur gleichen Uhrzeit,
  • immer an derselben Stelle messen,
  • möglichst dasselbe Thermometer verwenden,
  • die Temperatur täglich dokumentieren.

Zusätzlich sollten Besonderheiten notiert werden, die den Wert beeinflussen können, zum Beispiel:

  • Infekte oder Fieber,
  • Alkohol am Vorabend,
  • sehr wenig Schlaf,
  • ungewöhnlich spätes Zubettgehen,
  • Schichtarbeit oder Reisen.

Ob die Werte auf Papier als Kreuzchen eingetragen oder in einer App gespeichert werden, ist dabei zweitrangig. Die App misst nicht besser. Sie zeichnet die Kurve nur digital. Entscheidend ist, dass man anschließend weiß, wie diese Kurve gelesen wird.

 

Und was zeigt ein Speicheltest?

Ein Speicheltest beantwortet eine andere Frage. Dabei können beispielsweise Östradiol und Progesteron bestimmt werden. Der Test zeigt die Hormonkonzentrationen zu einem bestimmten Zeitpunkt und ermöglicht damit auch eine Beurteilung ihres Verhältnisses zueinander. Das kann beispielsweise interessant sein, wenn der Verdacht besteht, dass Progesteron im Verhältnis zu Östradiol zu niedrig ist.

Ein Speicheltest ist deshalb eher eine Momentaufnahme. Die Temperaturkurve zeigt dagegen den Verlauf über einen ganzen Zyklus.

  

Zwei Methoden – zwei unterschiedliche Informationen

Man kann es vereinfacht so zusammenfassen:

Basaltemperatur Speicheltest
zeigt den Verlauf über den Zyklus zeigt die Hormonsituation zu einem bestimmten Zeitpunkt
gibt Hinweise auf den Eisprung misst Östradiol und Progesteron direkt
zeigt den Beginn und die Dauer der Hochlage ermöglicht die Beurteilung des Verhältnisses beider Hormone
macht die Progesteronwirkung im Zyklus sichtbar kann Hinweise auf einen relativen Progesteronmangel geben

Die beiden Methoden ersetzen sich deshalb nicht. Sie können sich ergänzen:

  • Die Temperaturkurve beantwortet eher: Wie läuft mein Zyklus ab?
  • Der Speicheltest beantwortet eher: Wie stehen Östradiol und Progesteron zu diesem Zeitpunkt zueinander?

Und genau deshalb ist es wichtig, vor einer Untersuchung zu überlegen: Welche Frage möchte ich eigentlich beantworten?