Der Sommer steht in seiner ganzen Kraft. Die Tage sind noch lang und warm, doch wenn wir genau hinschauen, verändert sich die Natur bereits. Das erste Getreide ist reif, Obst und Gemüse füllen die Gärten, und auf den Feldern beginnt die Ernte.
Am 2. August feiern viele alte Traditionen das Jahreskreisfest Lughnasadh, auch Lammas genannt. Es ist das erste der drei großen Erntefeste des Jahres und markiert einen besonderen Moment im natürlichen Kreislauf: Nicht mehr der Beginn steht im Mittelpunkt, sondern das, was inzwischen gewachsen ist.
Nach Lichtmess, der Tag-und-Nacht-Gleiche, der Walpurgisnacht und der Sommersonnenwende erreicht die Energie des Jahres nun einen neuen Abschnitt. Jetzt geht es darum, innezuhalten und wahrzunehmen, was bereits entstanden ist.
Die Farben von Lammas: Gold, Gelb und warmes Braun
- Gold: Reife, Fülle und Dankbarkeit.
Gold erinnert an die Ähren auf den Feldern und an den Wert dessen, was entstanden ist. - Gelb: Sonne, Lebensfreude und Zuversicht.
Die Kraft des Sommers ist noch immer spürbar und schenkt Energie für die zweite Jahreshälfte. - Warmes Braun: Erde, Stabilität und Verwurzelung.
Alles, was gewachsen ist, braucht einen festen Boden, auf dem es getragen werden kann.
Diese Farben erzählen von einem Leben, das Früchte trägt.
Die Natur zeigt uns: Jede Entwicklung braucht ihre Zeit
Wer heute durch die Natur geht, entdeckt überall Zeichen der Fülle.
- Getreide wird geerntet.
- Apfelbäume tragen erste Früchte.
- Kräuter entfalten ihr volles Aroma.
- Felder leuchten in warmen Goldtönen.
- Viele Tiere bereiten sich bereits langsam auf den Herbst vor.
Die Natur arbeitet nicht ständig nur auf Wachstum hin. Sie kennt auch Zeiten des Sammelns, des Erntens und des Bewahrens.
Und wir?
Auch wir erleben solche Phasen. Vielleicht stellen Sie fest,
- dass ein Projekt erfolgreich abgeschlossen wurde,
- dass neue Gewohnheiten selbstverständlich geworden sind,
- dass sich Ihre Gesundheit langsam verbessert,
- dass Beziehungen gewachsen sind,
- oder dass Sie innerlich ruhiger geworden sind.
Nicht jede Entwicklung zeigt sich spektakulär. Oft erkennen wir Fortschritte erst dann, wenn wir bewusst zurückblicken. Lammas lädt uns ein, genau das zu tun.
Die Kunst, die eigene Ernte wahrzunehmen
Im Alltag richten wir unseren Blick häufig auf das, was noch fehlt. Die Natur erinnert uns daran, auch das zu sehen, was bereits gelungen ist. Vielleicht fragen Sie sich:
- Was ist in den vergangenen Monaten in meinem Leben gewachsen?
- Worauf darf ich heute stolz sein?
- Welche Entscheidungen haben sich als richtig erwiesen?
- Welche Fähigkeiten konnte ich entwickeln?
- Wofür empfinde ich Dankbarkeit?
Dankbarkeit bedeutet dabei nicht, alles schönzureden. Sie bedeutet, das Gute bewusst wahrzunehmen.
Ernten bedeutet auch loslassen
Mit jeder Ernte endet gleichzeitig ein Abschnitt. Die Felder werden leer. Manches darf nun gehen. Neues Wachstum entsteht erst wieder im kommenden Jahr.
Auch wir können uns fragen:
- Was hat seine Aufgabe erfüllt?
- Welche Gewohnheiten brauche ich nicht mehr?
- Wo darf ich Energie freisetzen für das, was als Nächstes kommen wird?
Jeder Abschluss schafft Raum für einen neuen Anfang.
Lammas in den Alltag holen
- Einen Spaziergang durch Felder oder Obstgärten machen.
- Saisonales Obst oder frisches Brot bewusst genießen.
- Drei Dinge aufschreiben, für die Sie heute dankbar sind.
- Sich selbst anerkennen für das, was bereits gelungen ist.
- Einen Moment innehalten und die Fülle des Sommers bewusst wahrnehmen.
Oft liegt die größte Kraft nicht im ständigen Tun, sondern im bewussten Wahrnehmen.
Die Botschaft von Lammas
- Alles hat seine Zeit.
- Wachstum wird irgendwann zur Ernte.
- Dankbarkeit macht Entwicklung sichtbar.
- Wer innehält, erkennt, wie weit er bereits gekommen ist.
Nach der Zeit des Aufbruchs im Frühjahr erinnert uns Lammas daran, dass Entwicklung nicht nur bedeutet, immer weiterzugehen. Manchmal besteht der wichtigste Schritt darin, stehen zu bleiben, zurückzublicken und das zu würdigen, was bereits entstanden ist.
Ich wünsche Ihnen ein erfüllendes Lammas mit offenen Augen für die kleinen und großen Früchte Ihres bisherigen Weges.