Schilddrüsenhormone geben dem Stoffwechsel gewissermaßen seine Taktung vor. Sie bestimmen mit, wie schnell und mit welchem Energieeinsatz unsere Zellen arbeiten.
Auch wenn wir schlafen oder still auf dem Sofa sitzen, arbeitet unser Organismus weiter: Das Herz schlägt, das Gehirn ist aktiv, die Körpertemperatur wird aufrechterhalten, Muskeln und Organe arbeiten und Zellen erneuern sich.
Die Energiemenge, die der Körper allein für diese grundlegenden Lebensvorgänge benötigt, nennt man Grundumsatz.
Schilddrüsenhormone bestimmen damit gewissermaßen das Betriebstempo des Körpers. Sie beeinflussen unter anderem Wärmeproduktion, Herzschlag, Darmtätigkeit, Muskelarbeit und geistige Leistungsfähigkeit.
Vereinfacht gesagt:
- Zu wenig Schilddrüsenhormon stellt viele Körperfunktionen auf langsamer.
- Zu viel Schilddrüsenhormon stellt sie auf schneller.
T4 und T3 – zwei Hormone mit unterschiedlichen Aufgaben
Die Schilddrüse bildet v.a. T4, Thyroxin, und in geringerer Menge T3, Trijodthyronin. T4 kann man vereinfacht als Vorrats- und Transportform betrachten. Es kann in verschiedenen Geweben in das stärker wirksame T3 umgewandelt werden. T3 wirkt direkt an den Zellen und beeinflusst dort, wie aktiv bestimmte Stoffwechselvorgänge ablaufen.
Dadurch bestimmen Schilddrüsenhormone unter anderem mit:
- wie viel Energie Zellen verbrauchen,
- wie viel Wärme entsteht,
- wie schnell das Herz schlägt,
- wie aktiv der Darm arbeitet,
- wie leistungsfähig Muskeln sind,
- wie wach und konzentriert wir uns fühlen.
Wie wird die Schilddrüse gesteuert?
Die Schilddrüse arbeitet in einem Regelkreis: Der Hypothalamus im Gehirn erfasst die aktuelle hormonelle Situation und gibt diese Information weiter. Die Hypophyse übersetzt sie in ein hormonelles Signal. Sie bildet TSH.
TSH gelangt mit dem Blut zur Schilddrüse und regt sie dazu an, T4 und T3 zu bilden und freizusetzen.
Sind genügend Schilddrüsenhormone vorhanden, wird dies an Hypophyse und Hypothalamus zurückgemeldet. Die TSH-Ausschüttung sinkt. Sind zu wenig Schilddrüsenhormone vorhanden, steigt TSH und die Schilddrüse wird stärker zur Arbeit angeregt. So passt der Körper die Hormonproduktion seinem Bedarf an.
Was braucht die Schilddrüse zur Bildung ihrer Hormone?
Damit die Schilddrüse Hormone bilden kann, braucht sie nicht nur ein Signal durch TSH. Sie braucht auch die notwendigen Bau- und Hilfsstoffe.
Die Grundbausteine sind:
- Tyrosin, eine Aminosäure und damit ein Eiweißbaustein.
- Jod wird direkt in die Schilddrüsenhormone eingebaut. T4 enthält vier, T3 drei Jodatome.
- Eisen ist Bestandteil der Thyreoperoxidase (TPO), eines Enzyms, das bei der Bildung der Schilddrüsenhormone die zentrale Rolle spielt.
- Selen ist Bestandteil von Enzymen, die T4 in das stärker wirksame T3 umwandeln.
Eine funktionierende hormonelle Regulation braucht auch die passenden Ausgangsstoffe.
Was passiert bei zu wenig oder zu viel Schilddrüsenhormon?
| Zu wenig Schilddrüsenhormon | Zu viel Schilddrüsenhormon |
| Müdigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit | innere Unruhe und Getriebenheit |
| vermehrtes Frieren | vermehrtes Schwitzen und Hitzegefühl |
| Herzschlag kann langsamer werden | Herzschlag kann schneller werden |
| Darm arbeitet langsamer, Verstopfung kann entstehen | Darm arbeitet schneller, Durchfälle können auftreten |
| Gewicht kann zunehmen | Gewicht kann abnehmen |
| Denken und Konzentration können langsamer werden | Nervosität und Schlafprobleme können auftreten |
| Muskeln können sich schwach und schwer anfühlen | Muskeln können trotz hoher Aktivität an Kraft verlieren |
| Haare können trocken, spröde und dünner werden; Haarausfall kann auftreten | Haarausfall kann ebenfalls auftreten, die Haare können feiner werden |
Auch hier gilt: Nicht jeder Mensch entwickelt alle Beschwerden. Aber das Grundprinzip ist einfach:
- Zu wenig Schilddrüsenhormon stellt den Körper auf langsamer.
- Zu viel Schilddrüsenhormon stellt ihn auf schneller.
Schilddrüsenhormone als Medikament
Wenn die Schilddrüse selbst nicht genügend Hormon bereitstellt, kann Schilddrüsenhormon von außen zugeführt werden. Damit wird das zugeführte Hormon Teil des natürlichen Regelkreises.
Was dann mit TSH, der eigenen Schilddrüsen-Hormonproduktion und der Regulation passiert, darum geht es im nächsten Beitrag dieser Reihe.